Diktagrafische Mitteilung DGM des Referates 2.4 Diktagrafische Prozessforschung der Abteilung II für Praktische Diktagrafie in der Hauptstelle für Diktagrafische Angelegenheiten
Sonderausgabe: Tagesprotokoll vom 12. des Monats Juni
„12 von 12“ ist ein Format für Blogbeiträge, bei dem jeweils am 12. eines jeden Monats 12 Bilder gefasst werden, die den Tag dokumentieren. Gesammelt finden sich zahlreiche Beiträge dieser Art auf dem Blog „Draußen nur Kännchen„.
Der heutige Beitrag im gewohnten 12-von12-Format wird vom Referat für Diktagrafische Prozessforschung zur Verfügung gestellt. Die Generalsekretärin hat angeregt, eine Sonderausgabe des Tagesprotokolls unter das Thema Sommerhitze, genauer dem Umgang Diktagrafierender mit eben derselben, zu stellen. Sie selbst war bisher nie besonders angetan von heißen Tagen und hat schon während der Anfänge der Diktagrafie in den 1980er Jahren zahlreiche Strategien, Ratschläge und Mittel erprobt sowie zusammengetragen, die den Diktagrafierenden an diesen Tagen mit höchst unerfreulichem Wetter dennoch angenehm und produktive Arbeit ermöglichen. Im Folgenden gibt es daher eine Auswahl aus dieser Sammlung. Da es sich um eine Sammlung handelt, ist an diesem Beitrag auch das Referat 4.4 für Sammlungen der Abteilung IV des Widerständigen Restes insofern beteiligt, als dass es die Sammlung aus dem Archiv zur Einsicht bereit gestellt hat. Hiermit wird diese Bereitstellung mit außerordentlichem Dank gewürdigt, da sie sich aufgrund noch nicht ausreichender Zeit für die Aufbereitung der vorhandenen Daten aus der Mitte der 1980er Jahre als eher schwierig herausstellte. Zu dieser Zeit hatte die Generalsekretärin noch einen eher kindlichen Anspruch an die Katalogisierung und Aufbewahrung relevanter Daten, so dass die Sammlung für Hitze-Strategien aufwendig aus Einträgen in Diddl-Tagebüchern rekonstruiert werden musste.
1 – Meditation
Wie im Kodex festgeschrieben, besteht die erste Amtshandlung an einem Diktagrafischen Arbeitstag in der Meditation über das permutatorisch-quadratische Datum und bedarf durch seine Festschreibung weder Antrag noch Mitteilung. Lediglich einige Notizen im Journal sind zwingend auszuführen.


2 – Frühstück
Eine als gegen Hitze wappnende Frühmahlzeit besteht aus wasserreichem Gemüse, wie hier Tomaten und Gurke, etwas Kräutersalz zur Mineralisierung und einem guten Stück Tofu aus eigener Herstellung, das mit seinem hohen Anteil an pflanzlichem Eiweiß auf eine gesunde Art und Weise sättigt, aber nicht zu sehr belastet. Einem Diktagrafischen Arbeitstag unter erschwerten Bedingungen wie Hitze wird so eine lohnende Grundlage gegeben.
3 – Wasserversorgung
Ein Glas Wasser in Griffnähe gehört zur Grundausstattung des Diktagrafischen Arbeitsplatzes, unabhängig von der Jahreszeit. An Hitzetagen jedoch wird diese Maßnahme zur Pflichtübung erhoben und in regelmäßigen Abständen ohne gesonderten Antrag wiederholt.


4 – Frühverlegung
Bereits die Generalsekretärin bestand in den Gründungsjahren auf einer Vorverlegung des Diktagrafischen Arbeitsbeginns an Tagen mit angekündigter Hitze. Die kühleren Morgenstunden vor neun Uhr gelten seither als bevorzugtes Zeitfenster für sämtliche Verrichtungen, die Konzentration und ruhige Hand erfordern.
5 – Bekleidung
Für die praktische Diktagrafische Arbeit ist eine Bekleidung vorgesehen, die weder Ärmel in die noch feuchte Farbe schleift noch durch ihre Beschaffenheit die Konzentration mindert. Helle, leichte Stoffe werden empfohlen, sofern sie nicht zu Lasten der gewohnten Zurückhaltung in der Farbwahl gehen.


6 – Verdunkelung
Der Grundsatz „Licht ja, direkte Sonne nein“ bestimmt die Fensterordnung des Ateliers an Hitzetagen. Rollos und Vorhänge bleiben geschlossen, sobald die Sonne den Bildträger auch nur zu streifen droht – nicht zuletzt, um Ausbleichen und andere Beschädigungen des Arbeitsmaterials zu verhindern. Das Diktagrafische Atelier erfreut sich der Anwesenheit gut gewachsener Eichen mit dichtem Laub, die einen Großteil der Nachmittags- und Abendsonne abwehren.
7 – Mittagsruhe
In den heißesten Stunden des Tages verlagert sich die Diktagrafische Tätigkeit an einen möglichst kühlen Ort, an dem ausgiebig geruht wird – ganz nach dem Vorbild einer Siesta.


8 – Kühlgetränke
Der bereits an anderer Stelle erwähnte Oak Oat Latte erfährt an Hitzetagen eine kalte Variante mit Eiswürfeln, die sich im Referat für Diktagrafische Prozessforschung großer Beliebtheit erfreut und ausdrücklich zur Nachahmung empfohlen wird.
9 – Materialschutz Durchschreibpapier
Durchschreibpapier reagiert empfindlich auf Wärme und Feuchtigkeit gleichermaßen und neigt bei unsachgemäßer Lagerung zum Wellen. Als eines der grundlegenden Arbeitsmaterialien wird das Durchschreibpapier besonders sorgfältig geschützt. Die Folienhülle, sonst dem Transport vorbehalten, dient auch der Aufbewahrung im Atelier selbst. Außerdem wird eine kühle Lagerung angeordnet.


10 – Ventilation mit Vorbehalt
Ein Ventilator ist an heißen Tagen willkommen, jedoch nur mit Bedacht einzusetzen: Graphitstaub, lose Schablonenreste und frisch aufgetragene Farbe vertragen keinen direkten Luftzug. Der Diktagraf platziert das Gerät daher grundsätzlich außerhalb der unmittelbaren Werkfläche.
11 – Peripatetischer Spaziergang am Abend
Was tagsüber der Hitze zum Opfer fällt, findet am Abend seine Fortsetzung. Der peripatetische Spaziergang, sonst Bestandteil der Mittagspause, wird an Hitzetagen in die kühleren Abendstunden verlegt – nicht ohne gelegentlichen Erfolg bei der Insektenbeobachtung. Auf der Abbildung ist eine Rotbeinige Baumwanze zu sehen.


12 – Geduld als Grundsatz
Die Generalsekretärin schließt ihre Sammlung seit jeher mit demselben Hinweis: Hitze ist ein vorübergehender Zustand, dem mit Geduld und angepasstem Zeitplan besser beizukommen ist als mit Widerstand. Die Diktagrafische Arbeit wartet auf kühlere Tage genauso zuverlässig, wie sie an ihnen wieder aufgenommen wird. Durch meditative und konsequente Ausführung oft eintöniger Diktagrafischer Operationen, wie derzeit an einem Zeitungsdiagramm in Entstehung, sind Diktagrafierende jedoch in hohem Maße in Geduld geübt.
Diktagrafische Klausel
Das vorliegende Tagesprotokoll wurde nach bestem Gewissen erstellt und spiegelt den Diktagrafischen Arbeitstag des 12. des Monats wahrheitsgetreu wider. Es dient der Transparenz gegenüber der Öffentlichkeit und der Hauptstelle für Diktagrafische Angelegenheiten gleichermaßen.
In freier Ordnung und mit rechtschaffenen Grüßen
Der Diktagraf