Diktagrafische Mitteilung DGM des Referates 1.1 Diktagrafosophie der Abteilung I für Theoretische Diktagrafie in der Hauptstelle für Diktagrafische Angelegenheiten
Das Referat 1.1 für Diktagrafosophie gibt bekannt, dass es im Zuge seiner genealogischen Erkundung der Diktagrafie sowie zur zukunftsbildenden Unterstützung der Diktagrafischen Bewegung eine Grundlegung erarbeitet hat, die hiermit der Öffentlichkeit zur Kenntnisnahme vorgelegt wird.
Das Referat hat es als seine Pflicht erachtet, eine umfassende und zugängliche Darstellung dessen zu verfassen, was die Diktagrafie ist, was sie leistet und was sie bedeutet. Diese Darstellung richtet sich sowohl an neu Hinzukommende als auch an jene, die der Diktagrafie bereits verbunden sind und einer begrifflichen Vergewisserung bedürfen.
Was ist Diktagrafie?
Diktagrafie ist ein konzeptioneller Sammelbegriff für die systematische und künstlerisch-grafische Auseinandersetzung mit Daten und Dokumenten. Sie ist zugleich Verfahren, Philosophie, Wahrnehmungsstrategie und handwerkliche Praxis – und sie entsteht an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft.
Wer diktagrafiert, sieht Texte nicht mehr nur als Träger von Bedeutung, sondern als visuelles, strukturelles und numerisches Material. Buchstaben werden zu Zählmustern, Wörter zu Operationsanweisungen, Dokumente zu Grundlagen von Grafiken. Das Resultat ist ein Werk, das Zeugnis intensiver Auseinandersetzung ablegt – mit einer Vorlage, mit einem System und sich selbst.
Diktagramme und Diktagrafiken
Innerhalb der Diktagrafie wird zwischen zwei Werktypen unterschieden:
Diktagramme sind festgelegte, regelgeleitete Systeme, die sich grafisch darstellen lassen – häufig Permutationen mathematischer oder sprachlicher Natur. Sie folgen einer inneren Logik, die Diktagrafierende nicht willkürlich verändern, sondern konsequent entfalten.
Diktagrafiken sind ebenfalls grundsätzlich regelgeleitet, jedoch stark durch die subjektive Entscheidung der Diktagrafierenden geprägt: durch die Wahl der Textvorlage, durch die Auswahl der Operationen, durch freie additive Bearbeitung. Sie sind meist textbezogen.
Eine Strategie – und mehr
Die Diktagrafie ist weit mehr als ein grafisches Verfahren. Sie ist:
eine Wahrnehmungsstrategie – sie schult den Blick für das, was in einem Text verborgen liegt jenseits seiner Bedeutung;
ein Training – für zeichnerische wie kognitive Fähigkeiten, für Konzentration, Präzision und Ausdauer;
eine Achtsamkeitsübung – die Reduktion aufs Wesentliche, die Langsamkeit des Handwerks, die Wertschätzung traditioneller Materialien wie Papier und Graphit;
eine künstlerische Interpretation von Informationen – die Liebe zur Ästhetik von Texten, Typografie, Formularen und Permutationen, die Neigung zu altem Handwerk und Technik;
ein Organisationssystem und eine Ordnung – Diktagrafie schafft Struktur, wo Fülle herrscht, und Klarheit, wo Komplexität droht;
ein Zeugnis – jedes diktagrafische Werk ist Beweis intensiver Bemühung, ein sichtbarer Abdruck von Neugier, Eifer und Arbeit.
Die institutionelle Ordnung
Die Grundsätze und Anwendungsvorschriften der Diktagrafie sind im Kodex zur Bestimmung und Anwendung Diktagrafischer Verfahren sowie der Verwaltung Diktagrafischer Werke festgelegt. Der gesetzestreue Gebrauch der Diktagrafie führt zu künstlerischen Produkten, deren Qualität nicht durch Beliebigkeit, sondern durch Konsequenz entsteht.
Geregelt, verwaltet und überwacht wird die Diktagrafie in der Hauptstelle für Diktagrafische Angelegenheiten – dem Atelier, das sich als Behörde versteht. An ihrer Spitze steht der Diktagraf: eine virtuelle Entität, eine Figur ohne Körper, aber mit Autorität – Hüter des Kodex, Verwalter der Werke, Garant der Ordnung.
Freiheit durch Struktur
Die Diktagrafie vereint, was sich zu widersprechen scheint: Kontrolle und Freiheit, Norm und Eigensinn, Wissenschaft und Kunst. Sie schöpft das subversive Potential des Nicht-Populären aus. Sie imitiert Normen und Kontrollen nicht, um sich ihnen zu unterwerfen, sondern um sich selbst in eine Machtposition zu heben – in eine Welt, die man selbst erschaffen hat und über die man selbst regiert.
In diesem Sinne ist Diktagrafie auch eine Philosophie der Selbstermächtigung: Lerneifer und Neugier vereint mit einer Welt aus Strukturen, die man selbst setzt. Die eigene Machtlosigkeit – verwandelt in eine freie Macht, von der man zehren kann.
„Die Natur ist meine Mutter, der Diktagraf mein Vater und das Diktagrafieren meine Medizin.„
Die Generalsekretärin
Ausgefertigt durch das Referat 1.1 für Diktagrafosophie der Abteilung I für Theoretische Diktagrafie in der Hauptstelle für Diktagrafische Angelegenheiten. Zur Kenntnisnahme freigegeben durch den Diktagrafen.